Testikuläre Spermienextraktion (TESE): Ablauf, Erfolgsaussichten und medizinische Hintergründe
Wie die testikuläre Spermienextraktion Paaren mit Azoospermie neue Chancen eröffnet – verständlich, empathisch und wissenschaftlich fundiert erklärt.
Einführung
Wenn ein Paar mit dem Befund „keine Spermien im Ejakulat“ konfrontiert wird, ist die emotionale Belastung oft enorm. Die testikuläre Spermienextraktion (TESE) bietet in solchen Situationen eine realistische Möglichkeit, dennoch eine genetisch eigene Schwangerschaft zu erreichen. Gleichzeitig bestehen Unsicherheiten: Wie läuft eine TESE OP ab? Wie schmerzhaft ist eine TESE? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Spermien zu finden? Dieser Text erklärt die TESE umfassend – medizinisch präzise, einfühlsam und auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Was ist eine testikuläre Spermienextraktion (TESE)?
Die testikuläre Spermienextraktion ist eine kleine operative Entnahme von Hodengewebe. Ziel ist es, darin befruchtungsfähige Spermien zu finden, die anschließend im Rahmen einer ICSI-Behandlung genutzt oder eingefroren werden können.
Die TESE ist sinnvoll bei:
- Azoospermie (vollständiges Fehlen von Spermien im Ejakulat)
- Verschluss oder Schädigung der Samenwege
- genetisch oder hormonell bedingten Störungen der Spermienreifung
- fehlgeschlagener Refertilisierung nach Vasektomie
Die Kinderwunschklinik Dresden führt die TESE unter höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards durch und arbeitet eng mit erfahrenen Urologinnen und Androloginnen zusammen.
Ursachen einer Azoospermie – warum eine TESE sinnvoll sein kann
Obstruktive Azoospermie
Hier werden zwar ausreichend Spermien produziert, aber der Transportweg ist blockiert. Ursachen:
- angeborene Samenwegsfehlbildungen
- Narbenbildung nach Entzündungen
- operativ bedingte Verschlüsse
- fehlgeschlagene oder nicht mögliche Refertilisierung
Bei dieser Form sind die Erfolgsaussichten besonders gut.
Nicht-obstruktive Azoospermie
Die Spermienbildung ist eingeschränkt oder fehlt teilweise. Ursachen:
- genetische Veränderungen (z. B. AZF-Deletion)
- Hodenhochstand in der Kindheit
- schwere hormonelle Störungen• frühere Chemotherapie oder Strahlentherapie
- idiopathische Ursachen (Unklarheit trotz Diagnostik)
Auch bei dieser Form können Spermien gefunden werden – die Wahrscheinlichkeit ist jedoch niedriger und individuell abhängig.
Ablauf der testikulären Spermienextraktion
Vorbereitung auf die TESE OP
Vor der Operation erfolgt eine umfassende Diagnostik:
- körperliche Untersuchung durch Androlog*innen
- Spiegelung relevanter Hormonwerte (FSH, LH, Testosteron)
- genetische Diagnostik (Karyogramm, AZF-Deletion, CFTR Veränderung)
- Ultraschalluntersuchung der Hoden
- zwei Spermiogramme
Diese Ergebnisse helfen, die TESE Erfolgsaussichten möglichst realistisch einzuschätzen.
Durchführung der TESE OP
Die TESE wird ambulant unter lokaler Betäubung oder Kurznarkose durchgeführt.
Ablauf:
- kleiner Hautschnitt am Hodensack
- Entnahme von 1–3 kleinen Gewebeproben
- unmittelbare Untersuchung im IVF-Labor
- Aufbereitung, Suche nach beweglichen Spermien
- Einfrieren (Kryokonservierung) gefundener Spermien
Der Eingriff ist schonend, dauert meist 20–40 Minuten und ist für den Patienten gut verträglich.
TESE und Spermien: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Spermien zu finden?
Erwartbare Erfolgsraten laut Studien
Die Wahrscheinlichkeit hängt von der Ursache der Azoospermie ab.
Obstruktive Azoospermie:
- Spermienfundrate: 60–95 %
- sehr gute Ausgangslage, da die Produktion meist intakt ist
Nicht-obstruktive Azoospermie:
- Spermienfundrate: 30–60 %
Genetische Ursachen (z. B. AZF-Deletion):
- stark abhängig vom betroffenen AZF-Bereich
- AZFa oder AZFb: fast keine Spermien
- AZFc: höhere Erfolgsaussichten
Diese Spannbreiten spiegeln internationale Studien wider; das DIR-Jahrbuch führt TESE-Erfolgsraten nicht separat, bestätigt jedoch stabile ICSI-Ergebnisse mit TESE-Spermien, sofern Spermien gefunden werden.
Schmerzen und Belastungen: Wie schmerzhaft ist eine TESE?
Die TESE wird unter Lokalanästhesie oder einer kurzen Narkose vorgenommen und ist während des Eingriffs nicht schmerzhaft.
Nach der OP treten häufig auf:
- leichte Schmerzen
- Schwellung im Hodensack
- Spannungsgefühl
- kleine Blutergüsse
Die Beschwerden sind meist mild und klingen innerhalb weniger Tage ab.
Empfohlen werden:
- Kühlung
- körperliche Schonung 3–7 Tage
- Tragen enger Unterwäsche
- Verzicht auf Sport für ca. 2 Wochen
Die meisten Patienten beschreiben die Belastung als gut handhabbar.
TESE Nebenwirkungen: Was kann auftreten?
Häufige und harmlose Nebenwirkungen
- Schwellung und Hämatome
- Druckgefühl
- leichte Wundschmerzen
- vorübergehende Empfindlichkeit
Seltene Risiken
- Infektion
- ausgeprägte Blutergüsse
- narbige Veränderungen
- temporäre hormonelle Schwankungen
Schwerwiegende Komplikationen sind äußerst selten.
TESE Erfolgsaussichten im Rahmen einer ICSI-Behandlung
Wie gut sind die Chancen mit TESE-Spermien?
Wenn Spermien gefunden werden, sind die ICSI-Erfolgschancen vergleichbar mit:
- ICSI mit Ejakulat-Spermien
- ICSI nach Refertilisierung
- ICSI bei eingeschränktem Spermiogramm
Die tatsächlichen Chancen hängen primär ab von:
- Qualität der TESE-Spermien
- Alter der weiblichen Partnerin
- Embryonalentwicklung
- Gebärmutterschleimhaut
- Ursachen der Infertilität
International liegen Schwangerschaftsraten pro ICSI-Zyklus mit TESE-Spermien häufig im Bereich von 30–50 %, abhängig vom Alter.
Kosten: Wie viel kostet eine TESE-Aufbereitung?
Die Gesamtkosten setzen sich zusammen aus:
Medizinische TESE OP
- TESE: ca. 1.000 Euro zzgl. Kryokonservierung
Laboraufbereitung & Kryokonservierung
- Aufbereitung der Gewebeproben: 400–800 Euro
- Einfrieren (Kryo): 300–600 Euro
- jährliche Lagergebühr: klinikabhängig
Kostenerstattung:
- gesetzliche Krankenkassen übernehmen die TESE nur in Ausnahmefällen
- private Krankenversicherungen häufig teilweise
Das Kinderwunschzentrum Dresden klärt die Kosten transparent im Beratungsgespräch.
Was passiert nach der testikulären Spermienextraktion?
Laboranalyse
Nach der OP werden die Proben sofort untersucht:
- Identifikation vonSpermien
- schonende Aufbereitung
- Qualitätsprüfung
- sofortige Einfrierung bei Erfolg
Falls keine Spermien gefunden werden, wird die Situation individuell besprochen. Gegebenenfalls sind:
- hormonelle Optimierung
- Nutzung von Spendersamen
- alternative Behandlungswege
mögliche Optionen.
Heilungsprozess
Der Heilungsverlauf ist unkompliziert:
- Schutz der Wunde
- Kühlkompressen
- Vermeidung von Hitze (Sauna, heißes Baden)
- Schonung für wenige Tage
TESE Kinderwunsch: Für wen ist die Methode geeignet?
Eine testikuläre Spermienextraktion wird empfohlen bei:
- wiederholter Azoospermie trotz mehrerer Spermiogramme
- hormonell normaler, aber obstruktiver Situation
- nicht-obstruktiver Azoospermie mit Restfunktion
- genetischen Fragestellungen
- vorangegangener Vasektomie ohne Refertilisierungsoption
- Paare, die eine genetisch eigene Schwangerschaft anstreben
Die Entscheidung erfolgt immer individuell – basierend auf Befunden, Hormonwerten, Gewebequalität und Familienplanung.
FAQ zur testikulären Spermienextraktion (TESE)
Wie schmerzhaft ist eine TESE?
Der Eingriff ist dank Betäubung schmerzfrei. Danach treten meist leichte bis moderate Beschwerden auf.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, Spermien zu finden?
Je nach Ursache 30–95 %. Die beste Prognose besteht bei obstruktiver Azoospermie.
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Häufig leichte Schwellungen und Hämatome, selten Infektionen oder stärkere Blutergüsse.
Was kostet die TESE-Aufbereitung?
Insgesamt meist ca. 500 - 800Euro Euro inklusive Laboraufbereitung und Kryokonservierung.
Können mit TESE-Spermien normale Erfolgschancen erreicht werden?
Ja. In Kombination mit ICSI sind die Chancen bei passenden Rahmenbedingungen sehr gut.
Die testikuläre Spermienextraktion ist für viele Paare ein entscheidender Schritt auf ihrem Weg zum eigenen Kind. Die Kinderwunschklinik Dresden begleitet Sie mit medizinischer Expertise, Einfühlungsvermögen und umfassender Erfahrung.
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